Sie sind hier: Startseite » Rückblick

Diamante Profess von P. Dr. Theodor Lutz OSB


Schon vor seinem Eintritt ins Kloster hatte der 1935 geborene Pater Dr. Theodor Lutz engen Kontakt mit dem Klosterleben, da er nach der 5. Klasse nach der Knabenschule das hiesige „Collegium Rupertinum“ besuchte. Das Collegium war eine wichtige Institution zur Gewinnung klösterlichen und priesterlichen Nachwuchses. Auch etliche seiner damaligen Mitschüler wurden Mönche, so z.B. Pater Benedikt Kuen (*16.02.1935, †14.3.2017) oder Altabt Vitalis Altthaler. 1956 trat der Jubilar als Novize in seine Heimatabtei Ottobeuren ein, 1957 legte er – noch im alten lateinischen Ritus – seine erste Profess ab.

Im Rahmen eines Pontifikalamts mit Abt Johannes Schaber und dem Konvent erneuerte Pater Theodor am 24. September 2017 sein Gelübde.

In seiner Predigt ging Abt Johannes auf den Jubilar als einen „Mann der ersten Stunde“ ein. Dies knüpfe ans Evangelium an. Jesus erzählt vom Himmelreich als einem Gleichnis für Gott. Der Tagelöhner, der am Tor stehe und vom Gutsverwalter Arbeit bekomme, der braucht sich für diesen Tag keine Existenzsorgen mehr zu machen. Er muss zwar hart arbeiten, ist aber mit dem versprochenen Lohn – einem Dinar – versorgt. Jetzt passiere jedoch etwas ganz Menschliches und vielleicht finden wir uns darin sogar selbst wieder. Der Gutsverwalter entlohnt auch die mit dem vollen Lohn, die nur eine Stunde gearbeitet haben. Es entsteht Neid, nicht dem Gutsbesitzer gegenüber, sondern dem gegenüber, der nichts hat.

Und wieder in Bezug auf Pater Theodor: Wenn man sich sein ganzes Leben lang bemüht, dann darf man am Ende die Gewissheit auf die Barmherzigkeit Gottes haben. Das Kloster gibt der Möglichkeit, den Glauben zu leben eine konkrete Form. Mann der ersten Stunde zu sein heißt, ein langes Leben – 70 Jahre – im Kloster zu verbringen und dann zu wissen, dass am Ende die Barmherzigkeit Gottes steht.
Abt Johannes ging auch auf die verschiedenen Tätigkeiten des Geehrten ein: als Mitbruder, als Prior, als Cellerar. Pater Theodor hat sich 40 Jahre als Schatzmeister bei der Vereinigung der Freunde der Benediktinerabtei engagiert, ist seit 2013 Hörgeschädigten-Seelsorger im Dekanat Memmingen, er ist Beichtvater der Schwestern in Mindelheim und Wörishofen, ist Rektor der Oblaten, ist ein begeisterter Sohn des seligen Adolf Kolping. Ein reiches Leben, hinter dem viel Arbeit steckt. Er weiß, wofür er es tut, wofür er sich einsetzt, wofür er da ist: für das Himmelreich. Dann lebt man das Ideal, das uns das Neue Testament empfiehlt. Wir dürfen auf 60 Jahre Profess zurückschauen. Diese Profess war öffentlich, ein öffentliches Versprechen. Darum feiern wir auch dieses (heutige) Versprechen öffentlich. Nach einem langen Leben wird die Gewissheit der Barmherzigkeit Gottes immer sicherer; wenn die Kräfte nachlassen, wenn man nicht mehr so kann wie früher. Dann wird man offener für das, was Gott einem Gutes tut. Egal, ob wir zur ersten oder zur elften Stunde kommen, wir hoffen und vertrauen darauf, dass am Ende Gottes Barmherzigkeit steht.

Als Geschenk hat Pater Magnus Klasen eine Kerze gemacht, auf der alle Buchstaben des hebräischen Alphabets stehen und die eine israelische Münze – als Symbol für den Dinar – einschließt. Wenn die Kerze entzündet wird, ist damit der Wunsch verbunden, dass Gott dir dein ganzes Leben mit seiner Barmherzigkeit lohnen möge. Die Buchstaben wirfst du Gott, dem Himmel entgegen, sie sollen all deine Segenswünsche formulieren. Möge Gott daraus auswählen, dass über deinem Leben Gottes Treue, Gottes Segen und Gottes Barmherzigkeit liegen möge – du Mann der ersten Stunde – Amen! Nach der Predigt richtete Abt Johannes das Wort direkt an den Jubilar:

Lieber Pater Theodor! Vor 60 Jahren hast du dich Gott geweiht. Jetzt stehst du wieder vor dem Altar, um in Dankbarkeit gegen Gottes Führung dein Gelöbnis zu erneuern und zu bekräftigen.

Darauf Pater Theodor:

Im Namen unseres Herren Jesus Christus, Amen. Vor 60 Jahren habe ich Beständigkeit, klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam gelobt, in Gegenwart meines Abtes Vitalis Maier. In Dankbarkeit bekräftige ich heute dieses Gelöbnis. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen. Pater Theodor Lutz am 24. September 2017.

Abt Johannes nahm Pater Theodor in die Fürbitten auf:

Für Pater Theodor: Der Herr führe ihn, der heute sein diamantenes Professjubiläum begeht, durch die Teilnahme an seinem Leib zur österlichen Freude. Der Herr gebe ihm Kraft und Beharrlichkeit. Der Herr vermehre in ihm die Hoffnung auf das ewige Leben und die selige Gemeinschaft in ihm. Wir danken dir, Herr, dass du deinen Diener Pater Theodor diesen festlichen Tag erleben lässt. In deinem Geist und in deiner Liebe möge er auf dem Weg voranschreiten, auf dem der heilige Vater Benedikt zum Himmel emporgestiegen ist. Sei du ihm Stab und Stütze im Alter, damit er einst mit der Freude des Herzens zur ewigen Seligkeit gelangt. Damit bitten wir durch Christus unseren Herrn, Amen.

Im Anschluss an das Pontifikalamt war die Allgemeinheit zu einem Empfang im zum Kaisersaal führenden westlichen Treppenhaus geladen. Pater Theodor hielt dort eine ca. dreiminütige Ansprache, wobei er zunächst auf das Thema Gerechtigkeit einging. Vielen Leuten würde es heute sehr schlecht gehen, z.B. wegen einer Krankheit. Sie würden sich wünschen, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahre. Für seinen Teil sei es ihm in seinem Leben „ganz guat ganga“, wofür er sehr dankbar sei. Zum geistigen Leben und der Beziehung zu Gott sagte er wörtlich:

Das braucht eine lange Zeit. Zu uns kommen immer Gäste, die meinen, dass wenn sie einmal acht Tage im Kloster sind, damit eine ganz tiefe Gotteserfahrung möglich sei. Das täuscht sehr. Da muss man sehr sehr lange immer wieder auf Gott hören. Wenn man dann ein gewisses Alter erreicht hat, dann spürt man, dass Gott einen führt. Für mich gibt es ein wunderbares Gleichnis aus dem Alten Testament (2. Mose 33). Mose – von dem es heißt, er redete zu Gott wie mit einem Freund – sagt auf dem Berg Sinai zu Gott, er möchte ihn von Angesicht zu Angesicht sehen. Und da sagt Gott: „Es kann mich niemand sehen und am Leben bleiben. Aber stell dich in diese Felsspalte und ich gehe vorüber. Und wenn ich vorüber gehe, halte ich die Hand vor dein Gesicht. Wenn ich vorüber bin, kannst du mich von hinten sehen.“

Pater Theodor dazu: Dieser Erfahrung hat mich in meinem Leben immer sehr erfreut; ich durfte diese Erfahrung immer wieder machen. Oft war es dunkel, wenn Gott vorüber ging. Aber am Ende hat man das Gefühl, es ist alles in richtiger Weise verlaufen. Gott hat uns geführt. Das war mein Leben, diese Erfahrung in 60 Jahren. Vor allem danke ich den vielen, die heute zu mir kommen, um zu gratulieren.

Bescheiden schloss Pater Theodor seine Ansprache ab: Ich will gar nicht so hoch stehen. Ich danke allen von Herzen, die gekommen sind und wünsche allen alles Gute!