Unsere Liebe Frau von Eldern

Maria, Arche des Bundes

In Ottobeuren wird immer am Pfingstmontag das Fest Maria, Arche des Bundes gefeiert.

Traditionsgemäß wird dabei bei schönem Wetter das Gnadenbild Unsere Liebe Frau von Eldern von den Gläubigen aus Ottobeuren und den umliegenden Dörfern in einer feierlichen Prozession an seinen Ursprungsort, in die 2 km entfernte Kapelle St. Maria in Eldern getragen, wo eine heilige Messe gefeiert wird. Das Gnadenbild bleibt den ganzen Tag dort, um den Gläubigen die Gelegenheit zu geben, mit ihren Sorgen, Bitten und Anliegen zur Heiligen Gottesmutter zu beten. Abends wird es dann in einer feierlichen Lichterprozession nach Ottobeuren in die Basilika zurück begleitet.

Ein Gebet, das seinen festen Platz in jeder Eldernprozession hat, ist das Elderngebet (siehe rechts). Hier wird Maria als die Arche des Neuen Bundes, als die Foederis arca bezeichnet. Die Entstehung des Gebetes ist in das 15. Jahrhundert einzuordnen. Diese Bezeichnung soll eine Verbindung zum Alten Testament darstellen: Mose hat das Volk Israel nach 40-jähriger Gefangenschaft aus Ägypten herausgeführt. Während der Wanderung durch die Wüste Sinai hat Gott mit seinem Volk einen Bund geschlossen, welcher durch die zehn Gebote beurkundet wurde. Diese Gesetzestafeln und damit der Alte Bund wurden von den Israeliten in einer "arca", einem Kasten durch die Wüste getragen. Im Neuen Testament schließt Gott mit den Menschen einen Neuen Bund, indem er seinen eigenen Sohn, sein eigenes Fleisch und Blut den Menschen hingibt. Maria, die Begnadete wird von Gott erwählt, diesen Sohn auszutragen. So wird Maria als die Trägerin, zur Arche des Neuen Bundes, da sie den Sohn in ihrem Schoß trägt, Jesus Christus, den Erlöser der Welt.

Zur Entstehung der Wallfahrt

Wallfahrtslegende

Eine ungenannte Frau, die in schwerer unheilbarer Krankheit immer wieder ihre Zuflucht zum Gebet nahm, bekam in einer Art Traum die Weisung, sie würde in einem Eldernwald an der Günz, zwischen Ottobeuren und dem südlich gelegenen Weiler Reuthen, ein Muttergottesbild finden. Hier solle sie vertrauensvoll um Hilfe beten. Als diese Frau sich mit letzter Kraft an die bezeichnete Stelle schleppte, fand sie das Bildnis und nach inbrünstigem Gebet Heilung. Sie konnte mit wieder gewonnener Kraft und Gesundheit heimgehen.

Dieses Geschehnis konnte nicht unbekannt bleiben. Neugierige und Hilfesuchende kamen vom Flecken Ottobeuren und den Weilern ringsum ins Erlenwäldchen. Als unter den Neugierigen auch einer, der als "der große Schuster" bekannt war, sich über dieses so plötzliche Interesse des Volkes an einem bisher unbekannten Muttergottesbild lustig machte, ja noch einen Pfeil auf das Bild schoss - und tot zu Boden fiel, war für das Volk das "Gottesurteil" gefällt und das Bildnis zum Gnadenbild geworden. Immer mehr Menschen suchten und fanden Erhörung in ihren Anliegen.

Da trat der Bauer Jodok Mayer vom nahen Weiler Reuthen auf den Plan und errichtete über dem Gnadenbild eine hölzerne Kapelle. Diese Tat brachte ihm den ehrenvollen Beinamen "Kapeller" ein, der schon wenig später in Urkunden für seine Nachfahren belegbar ist. Damit war der Grundstock gelegt für die Wallfahrt zu "Unserer Lieben Frau von Eldern". Noch heute kennt der Volksmund die Bezeichnung Eldern für den Erlenbaum, vom althochdeutschen "elira" abgeleitet.


Die historische Entwicklung der Wallfahrt

Die Eldernwallfahrt war rasch nicht mehr von nur lokaler Bedeutung für die Pfarrei Ottobeuren selbst. Deshalb mußte sich Abt Wilhelm von Lustenau, der Reichsabt von Ottobeuren, mit dem neuentstandenen Wallfahrtsort im Eldernwald, zwei Kilometer südlich von Ottobeuren, an der Günz gelegen, befassen. In seinen unglücklichen Zeiten ging ein neuer Stern auf in der "Wundertätigen Jungfrau Maria in Eldern". Bald ließ er über der hölzernen Anfangskapelle ein Kirchlein aufführen, das dann sein Nachfolger Abt Nikolaus Röslin zu einer geräumigen Kirche ausbauen ließ, die 1487 geweiht wurde. Damit läßt sich aus der Geschichte der Abtei, die nur von der Überlieferung berichtete, die legendenhafte Enstehung der Wallfahrt im Jahre 1466 erhärten. Die Weiterentwicklung aber sichern Dokumente und Urkunden der jeweiligen Zeitgenossen.

Am 14. August 1506 stiftete der Ottobeurer Abt Matthäus Ackermann gemeinsam mit der Gemeinde und der Pfarrei eine ständige Kaplansstelle zu Eldern, die Bischof Heinrich IV. von Lichtenau am 19. August 1506 bestätigte. Die neuerrichtete Kaplanei soll dem "Trost der häufigen Wallfahrer und zur Vermehrung des Marianischen Gottesdienstes an diesem gnadenreichen Ort" dienen. Der jeweilige Kaplan hatte die Verpflichtung, im Kaplanshaus bei der Wallfahrtskirche zu wohnen, wöchentlich an bestimmten Tagen und allen "Frauentagen" das heilige Opfer zu feiern und dem Pfarrer von Ottobeuren in der Peterskirche und in der Nikolauskapelle auszuhelfen. Er stand im Dienste des Abtes und des Konventes. Ab 1533 hatte der Kaplan von Eldern auch die Filialen Niederdorf und Wolfertschwenden seelsorglich zu betreuen. Mit der Errichtung dieser Kaplanei war die Seelsorge an den Pilgern in Eldern gesichert.

Neben der Kaplanei wurde 1696 ein von der Benediktinerabtei Ottobeuren abhängiges Wallfahrtskloster in Eldern gegründet. Aus demselben Jahr sind zahlreiche Pfarreien bekannt, die an bestimmten Tagen betend zu "Unserer Lieben Frau" nach Eldern pilgerten.

"Mit Kreuz und Fahne": Altusried, Attenhausen, (Ober-) Auerbach, Baisweil, Benningen, Betzigau, Blöcktach, Böhen, Buxheim, Dietratried, Dietmannsried, Egg a.d.Günz, Haldenwang, Hawangen, Hofperbach, Illerbeuren, Kempten, Köngetried, Kronburg, Krugzell, Lachen, Lauben (bei Kempten), Legau, Mindelheim, Niederdorf, Niederrieden, Obergünzburg, Probstried, Reicholdsried, Rettenbach, Sontheim, Stephansried, Thingau, Ungerhausen, Untrasried, Warmisried, Wengen, Wiggensbach, Wildpoldsried, Wolfertschwenden, Zell.

"Ohne Kreuz und Fahne": Aitrach, Altisried, Binnwang, Breitenbach, Burg, Bremberg, Bossarts, Dingisweiler, Doldenhausen, Eichholz, Egelsee, Eggisreid, Erlenberg, Eschers, Grub, Günzegg, Halslach bei Rot, Moshausen, Murwangen, Nehers, Niebers, Niederdorf, Neuenried, Osterberg, Opfingen, Reichartsried, Remmelsberg, Rohr, Sachsenried, Schneittweg, Schrattenbach, Saulengrain, Stoßberg, Thal (b. Grönenbach), Tannheim, Theinselberg, Todtenberg, Überbach, Waldmühle, Zadels.

Eine solche Menge von Pilgern konnte die mehr als 200 Jahre alte Wallfahrtskirche, die inzwischen baufällig geworden war, nicht mehr fassen. Da entschloß sich Abt Gordian Scherrich eine ganz neue geräumige Wallfahrtskirche zu bauen. Am 8. Mai 1702 wurde der Grundstein gelegt. Am 8. Mai 1710 wurde Rupert Ness, der spätere Erbauer der barocken Klosteranlage von Ottobeuren, zum Abt gewählt, am Tag erhielt die neue Kirche in Eldern vom Augsburger Weihbischof Kasimir Röls ihre Weihe.

Die Säkularisation

Mit der Aufhebung der Reichsabtei Ottobeuren im Dezember 1803 wurde die Axt auch an den Eldernbaum gelegt. Am 12. Dezember 1803 erschien im Auftrag der Landesdirektion Ulm der hiesige Kanzleirat Johann Ev. Brunner in Eldern und erklärte dem Pater Superior und den drei Wallfahrtspriestern das augenblickliche Verbot der Wallfahrt sowie die Schließung und die Beschlagnahmung des Eldernheiligtums. Wallfahrtskirche und -kloster wurden am 28. April 1806 versteigert und später abgebrochen. Am 5. April 1807 kaufte Pfarrer Stephan Riegg aus Böhen für seine Pfarrkirche den Elderner Hochaltar, wo er sich bis heute befindet.

Das Gnadenbild "Unserer Lieben Frau von Eldern" kam über einige Umwege ins Bischöfliche Ordinariat nach Augsburg. Nachdem das Kloster Ottobeuren 1834 von König Ludwig I. als Priorat der neugegründeten Augsburger Abtei St. Stephan wiederbegründet worden war, sorgte sich Abt Barnabas Huber darum, dass das Gnadenbild wieder an seinen Ursprungsort, zumindest in die Nähe, zurückkehrt. Am 10. Oktober 1841 brachte es der Abt selber nach Ottobeuren und in einer festlichen Stunde wurde das Gnadenbild in die Nische des Alexanderaltares im östlichen Seitenschiff auf einem neuen Gnadenthron aufgestellt. Seitdem wird der Alexanderaltar auch Eldernaltar genannt.

In den Jahren 1931/1932 wurde an der Stelle der 1806 abgebrochenen Wallfahrtskirche eine neue Kapelle gebaut und am 15. Mai 1932 von Abt Dr. Joseph Einsiedler OSB in einem Pontifikalamt feierlich eingeweiht. "Motor" der Neuerrichtung einer Kapelle war der Ottobeurer Pfarrer P. Maurus Zech OSB (+ 1958). Durch einen kleinen Vorbau wurde die Kapelle 1987 um einen Vorraum und eine Sakristei von Pfarrer P. Winfried Stenke OSB (+ 1999) erweitert.

Die Verehrung "Unserer Lieben Frau" von Eldern und ihr Ehrenplatz in der Ottobeurer Kirche waren der Anlass, der Papst Pius XI bewog, dieses Gotteshaus am 25. Januar 1926 zur Basilica Minor zur erheben. Das Dokument hat folgenden Wortlaut:

Papst Pius XI.

Zu immerwährendem Gedenken!

Der Abt des Klosters Ottobeuren aus der Bayerischen Benediktinerkongregation, das schon durch das gesiegelte Apostolische Schreiben vom 11. Juli 1918 als selbständige Abtei wiedererrichtet worden ist, berichtet Uns, in seiner den hll. Alexander und Theodor geweihten Abteikirche werde ein altehrwürdiges Gnadenbild der hl. Jungfrau Maria unter dem Titel "Von den Erlen", allgemein "Von Eldern" verehrt, das die Gläubigen seit dem 15. Jahrhundert in der Kapelle zu Eldern angerufen haben. Aufgrund der Zeitumstände des beginnenden 19. Jahrhunderts aber wurde die Kapelle selbst abgerissen; das Gnadenbild aber wurde in Augsburg sorgsam aufbewahrt bis zum Jahre 1841. Damals bracht es der Abt von St. Stephan in der Diözese Augsburg wieder zum Priorat Ottobeuren zurück, das zu dieser Zeit der Abtei St. Stephan unterstellt war. Die Abteikirche von Ottobeuren, die heute noch den hl. Alexander und Theodor geweiht ist und die wegen ihres Alters und ihrer künstlerischen Austattung in ganz Bayern sehr berühmt ist, besuchen zahlreichen Gläubige der ganzen Gegend als Pilger. Sie verehren innig am dortigen Altar der Gottesmutter von Eldern die allerseligste Jungfrau Maria und flehen um ihre Hilfe. Als daher der erwähnte Ottobeurer Abt uns dringend bat und der Abtpräses der Bayerischen Benediktinerkongregation uns zudem empfahl, Wir sollten gnädigst ebendie Abteikirche mit dem Titel und den Privilegien einer Basilica Minor auszeichnen, wollen Wir gerne den erwähnten Wünschen entsprechen; denn Wir wissen genau, dass diese Abtei in der Vergangenheit sich bei der Verteidigung des katholischen Glaubens und der Bewahrung der guten Sitten sehr verdient gemacht hat (...).

Das hier ins Deutsche übersetzte Dokument ist im üblichen Sinn päpstlicher Dekrete weitergeführt und von Kardinal Gaspari unterzeichnet.

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